Jordheim

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Nordmänner, Heiden, Barbaren und Wilde.
All das schimpfte man die Männer aus dem Norden, aber wer waren sie wirklich
? Waren die Wikinger wirklich nur dumbe Gesellen in Fellen und trafen ihre nicht sehr schmeichelhaften "Spitznamen" wirklich zu? Die heutige Wissenschaft zeichnet ein anderes Bild der Kultur der Wikinger, einer Kultur von Handwerkern, Händlern, Seefahrern und auch Eroberern und Kriegern, deren Leben die Entwicklung Europas bis heute beeinflusst hat!

 
Das Rüstzeug der Wikinger
Das gebräuchlichste Bild eines Wikingers, ist der nur in Fell gekleidete, Hörnerhelm tragende und eine gewaltige Axt schwingende Krieger. Dieses Bild ist nur teilweise richtig. Im Folgenden wollen wir die Ausrüstung der Wikinger, die sie für das Kriegshandwerk nutzten, vorstellen.

Der Schild

a. Front mit Buckel b. Rückseite mit Griff c. Querschnitt

Das häufigst verwendete Mittel des Körperschutzes war für den Wikinger der Schild. Hauptsächlich wurden Rundschilde aus Holz (Meist Lindenholz) verwendet. Bei diesen Schilden war der Griff unter einem, auf der Mitte aufgesetzten, eisernen Schildbuckel angebracht. Dieser Buckel schützte zum einen die Hand und erlaubte es dem Träger, den Schild besser zu führen und wirksamer einzusetzen. Einige Schilde waren auch mit Rohhaut (ungegerbten Leder) bezogen. Es wurden bei Ausgrabungen auch Klammern aus Bronze und Eisen gefunden, die als Beschlag des Schildrandes gedient hatten.
Das Bild rechts zeigt einen Wikinger, wie er typisch für die Zeit um 1000 n.Chr. war. Er trägt ein Kiteschild auf dem Rücken. Seine Dänenaxt war lange Zeit ein Sinnbild für die Krieger aus dem Norden. Der eiserne Helm mit Nasenschutz, wie er durch Abbildungen und Funde belegt ist, und das Schwert, das er am Gürtel trägt, weisen Ihn als wohlhabend aus. Wahrscheinlich handelt es sich um einen lokalen Führer eines Clans, einen Jarl, oder Hersir. Eventuell hat er das Schwert auch erbeutet oder als Lohn von seinem Herren erhalten.
Körperschutz
Der durchschnittliche Wikinger war meist ein Bauer, Viehzüchter oder Seemann, der in der Lage war, gelegentlich Militärdienst zu leisten, oder sein eigenes Leben zu verteidigen. Ihn einen professionellen Krieger zu nennen, wäre jedoch zu hoch gegriffen. Daher besass er auch in den seltensten Fällen eine teuere Rüstung oder teuere Waffen, wie das Schwert. Bestenfalls besaß ein durchschnittlicher Wikinger ein Polsterwams aus Leder oder Stoff, das mit Stroh, Schafswolle oder Stoff gepolstert war. Bei den meisten Kriegern beschränkte sich die Schutzausrüstung auf einen einfachen Rundschild.
Je mächtiger und wohlhabender ein Krieger war, desto besser und teurer wurde seine Schutzausrüstung. Die begehrteste Rüstung war die Brünne, auch Kettenhemd genannt. Das Kettengewebe besteht aus Metallringen, von denen jeder mit den 4 benachbarten Ringen verbunden ist. Ein Kettenhemd konnte aus bis zu 10.000(!) einzelnen Ringen bestehen. Jeder einzelne Ring wurde zusätzlich verschlossen, entweder durch Vernieten, oder zusammenschmieden der Drahtenden. Kettenhemden waren extrem aufwendig herzustellen, und mußten ständig gewartet werden, um Rost und Korrosion vorzubeugen. Die Herstellung eines Kettenhemdes dauerte auch bei routinierten Schmieden bis zu ein Jahr! Diese Faktoren machten ein Kettenhemd zu einem echten Luxusobjekt.

Schutz der Glieder
Rüstung für Arme und Beine war sehr selten. Wenn diese Körperteile geschützt wurden, dann durch Schienen aus schmalen Stahlstreifen, aus Horn, oder Holz. Die Schienen wurden auf Lederbänder genietetund um die Glieder gelegt. Wie auch beim Kettenhemd, wurde unter diesem Rüstungstyp ebenfalls Polsterungen getragen. Dies waren
hier meist Arm und Beinwickel aus Wollstreifen, die an den Beinen auch zur Alltagskleidung, als Schutz vor Dornen und Nässe, getragen wurden.

Kopfschutz                                                                 

Die größte Fehlinformation über die Wikinger ist das Bild der Hörnerhelme, das im 18 Jahrhundert aufkam. Der einzige Helm, der für diese Beschreibung in Frage käme, wurde bei Vikso in Dänemark gefunden, hat 2 S-förmige Hörner und stammt aus der späten Bronze Zeit, ist wahrscheinlich keltischen Ursprungs (800-400 vChr.). Sogenannte Bildbelege mit Hörnerhelmen entpuppten sich als Abbildungen von Odin mit den raben Huginn und Munnin.

Welche Helme trugen die Wikinger wirklich?
Helme, genauso wie Brünnen und Schwerter, waren meist Eigentum von wohlhabenden Stammesmitgliedern, den Häuptlingen, Jarls, Königen und hochgestellten Kriegern. Es war sehr selten, daß der normale Durchschnitts- Wikinger" einen Helm trug. Die ältesten gefundenen skandinavischen Helme zeigen deutliche Einflüsse der römischen Kavalleriehelme. Diese Stücke nennt man für gewöhnlich "Vendelhelme", nach ihrem Fundort in Schweden, wo die ersten Exemplare gefunden wurden. Die Vendel-Kultur geht der Kultur der Wikinger voraus. (400 - 600 n.Chr.) Der Helm von Sutton Ho ist der berühmteste Fund aus dieser Zeit

Helm von Gjermundbu
Der einzige Helm, der eindeutig den Wikingern zugeordnet werden kann ist der Helmfund von Gjermundbu, allerdings bestehen hier Zweifel, dass er jemals als Gefechtshelm konzipiert war, da seine verarbeitung als sehr mangelhaft beschrieben wird, ein sakraler Charakter, quasi ein Totenhelm erscheint plausibel. 
© 2008 Walter Ruf / www.jordheim.info